FederFlieger - Band 1 - Kapitel 1 
Nichts für schwache Nerven

Sigismund der Vogelschreck

Eine ziemlich beschissene Angelegenheit

In dieser Geschichte geht es um das manchmal etwas komplizierte Zusammenleben von Mensch und Tier. Die Vögel wehren sich sehr erfolgreich, auf eine sehr wirksame Weise gegen den unfreundlichen Sigismund, der sie aus seinem Garten vertreiben will.

 

Textauszug

Die Rache der Vögel

In einiger Entfernung von Sigismunds Haus treffen sich regelmäßig die Vögel, die früher im Garten gewohnt haben und erzählen von den alten Zeiten. So manchem Fink und mancher Meise rollt dabei ein kleines Tränchen aus dem Auge, denn sie vermissen ihre altes schönes Zuhause sehr. Eines Tages kommt auch die Silbermöwe Mattis zum Treffen der Vögel, nachdem sie sich lange nicht mehr hat sehen lassen.

Als sie ihre traurigen Freunde so sieht, kommt ihr ein teuflischer Gedanke. Sie bittet die Vögel näher her zu sich, denn diese Idee muss sie unbedingt allen erzählen. „Wir erobern uns unseren Garten zurück!“ 

 

 

Alle finden, dass es eine große Schande sei, dass dieser Sigismund sie vertrieben hat. „Wir haben ihm doch nichts getan!“

„Ich habe da eine Idee,“ sagte Mattis. „Wir werden uns den Garten zurückerobern. Was glaubt ihr, wie sich der Sigismund ärgert, wenn wir ab sofort unser Geschäft immer über seinem Garten machen?
Wir kacken ihm alles so richtig voll! Und damit er mal weiß, was das heißt, werde ich mit meiner ganzen Silbermöwensippe den Anfang machen. Wir sind zwar nur eine kleine Familie mit grade mal 74 Vögeln, aber wenn wir uns anstrengen, bringen wir schon ordentlich was zusammen. Hmm, und unser Möwenschiss hat es ja wohl in sich. Stinkt schön und brennt sich ordentlich in
den Untergrund ein. Wir werden auch auf das Auto von Sigismund zielen, dann ist der Lack bald ab.“

FederFlieger - Band 1 - Kapitel 2 
Valentins Flugschule

In dieser Geschichte geht es um die großartige Freundschaft zwischen zwei kleinen Vögeln, die beide nichts lieber tun, als akrobatisch durch die Lüfte zu düsen.

Textauszug

Sie hatten sich höher und höher gewunden, der Wetterhahn auf der Kirchturmspitze war schon nicht mehr zu erkennen. Die Wolken über ihnen waren zum Greifen nah.

So hoch war Antonius noch nie geflogen. Zum Glück war es doch nicht so windig geworden, wie Valentin vorausgesagt hatte. Antonius zitterte dennoch am ganzen Körper und rief ängstlich „Lass uns umdrehen, Tino. Das ist mir zu hoch. Ich hab so Angst.“

Das hätte Valentin nun auch nicht gedacht, dass es Vögel gibt, die Höhenangst haben. „Warte Toni, ich komme zu dir.“

Das beruhigte den kleinen Antonius und er atmete erst mal tief durch, um nicht mehr so zu zittern und ließ vor Erleichterung einen kleinen Schiss fallen. 

 

 

Als Valentin neben ihm auf gleicher Höhe flog, sagte er mit ganz piepsiger Stimme: „Komm, lass gut sein für heute. Ich hab keine Kraft mehr.“ „Ist schon gut,“ rief Valentin. „Den Rückflug nutzen wir aber noch für eine weitere Lektion. Wir üben Gleitflug, jetzt wo wir schon mal so hoch sind. Du wirst sehen, es gibt nichts schöneres.“

„Oh je, wie soll das denn gehen?“

„Streck deine Flügel ganz weit raus, so weit wie du kannst und mach dich gaaanz breit. Bewege sie nicht mehr. Du steuerst jetzt nur noch mit den Schwanzfedern, siehst du, so, mal rechts die Federn spreizen dann wieder links und wir segeln ganz allmählich zurück in unseren Garten.“

FederFlieger - Band 1 - Kapitel 3 


Katzenalarm – Gefahr im Gartenparadies

In dieser Geschichte spielen die cleveren Vögel ihrem Erzfeind Pu, den sie verächtlich auch Puuuh oder, wenn es sehr verächtlich sein soll Puuuhtin nennen, einen ordentlichen Streich.

Sie locken ihn auf eine falsche Fährte und bescheren ihm einen Absturz, der sich mächtig gewaschen hat.

Textauszug

Sehr eindrucksvoll und nicht zu überhören waren auch die Warnrufe von Lasse dem Eichelhäher mit seinem „krschääh“ oder Lisbet der Elster mit ihrem laut geschäckerten „tschräk-äk-äk“.

In dieser Beziehung konnten die Vögel also so gut wie sicher sein, dass sie diesem blutrünstigen dummen Kater nicht in die Klauen gerieten, geschweige denn zwischen die Zähne. Dennoch waren sie immer auf der Hut, man weiß nie.

Ein teuflischer Plan

Karla, die krächzende Oberkrähin, die es faustdick hinter den Ohren hat, meinte eines Tages, man solle dem dummen Puuuh doch mal einen gehörigen Streich spielen: „Wir lassen ihn in den Teich plumpsen.“ Alle wusste, dass Katzen Wasser hassen und niemals freiwillig baden gehen.

 

Die Mitvögel fanden diese Idee total genial, hatten aber keinen Plan, wie sie das anstellen sollten. „Na das ist doch kükenleicht“, sagte Karla. „Wir locken ihn auf den morschen Ast, der seit dem letzten Sturm so schön über den Teich hängt und den Fritz der kunterbunte Eisvogel immer als Ausguck benutzt und auf dem sich Törtel die Schildkröte so gerne sonnt.

Der dicke Kater ist so schwer, dass der Ast bricht und er in den Teich saust. Er muss nur weit genug nach vorne klettern. Ein paar von euch setzen sich drauf und locken ihn an, da kann er bestimmt nicht widerstehen.“

„Ja, aber das ist doch sehr gefährlich,“ gab Leni, die* Kuckuck zu bedenken.

*Es heißt deshalb “die Kuckuck“, weil Leni ein Mädchen ist.

 

FederFlieger - Band 1 - Kapitel 4 


Tino und Toni auf Tour

In dieser Geschichte verlassen Valentin und sein Freund Antonius den heimischen Garten auf dem Glückskuckerberg, um mit ihren Freunden, den Halsbandsittichen deren Heimatstadt Köln kennenzulernen.

 

Textauszug

„Nun stellt euch mal nicht so an. Unser Tisch ist doch wohl auch immer gut gedeckt. Denkt mal an vorgestern, als wir uns beim Supermarkt über das Obst hergemacht haben, das die abends einfach so wegwerfen. Das war doch wohl köstlich, oder?“ warf Alexander III. ein. „Stimmt“, meinte Manu, eines der Halsbandsittich-Mädchen in seinem Tross „und auf dem Großmarkt fällt auch immer was Leckeres für uns ab. Kein Grund zu klagen.“

„So, seid ihr jetzt satt? Auf geht´s. Mir nach ihr Sittiche! Gunnar und Greg, ihr beiden bleibt immer auf einer Höhe neben mir und passt schön auf Valentin und Antonius auf, dass die uns nicht verloren gehen. Alle anderen kommen hinterher. Kira und Kaja, ihr beiden fliegt am Schluss! Manu, du fliegst ein Stück voraus und warnst uns vor Gegenverkehr und Querfliegern.“

 

Köln in Sicht

Kreischend und keifend und lärmend, wie das bei Halsbandsittichen so üblich ist, flatterten sie los. Als sie über den Baumwipfeln waren, nahmen sie Kurs auf Köln. In der Ferne konnten sie schon die Spitzen des Doms sehen, noch ganz winzig klein, aber immerhin.

Valentin und Antonius blieben ihrem Freund Alexander III. dicht auf den Schwanzfedern und nutzten seinen Windschatten aus. Das sparte Kraft beim Fliegen. „Welchen Kurs nehmen wir denn?“ wollte Antonius wissen. „Immer der Schnabelspitze nach. Nehmt den Dom ins Visier und achtet unten auf die Autobahn. Die gibt uns Orientierung.

 

FederFlieger - Band 1 - Kapitel 5 

 

Die Küstenflieger

In dieser Geschichte gehen die beiden Freunde Valentin und Antonius erneut auf Reisen und erleben neue Abenteuer an der Nordseeküste, fernab vom schönsten Garten der Welt.

Textauszug

Er zog einen dicken fetten Wurm aus dem Watt und reichte ihn freundlich lächelnd an Valentin. „Goden Appteit. Denn lot dei dat nu man smecken, min Jong“ brummelte er auf friesisch Platt. Übersetzt heißt das ungefähr so viel wie: „Guten Appetit. Nun lass es dir gut munden, mein Freund.“

Valentin verzog angewidert sein Gesicht, als er dieses fette Ungetüm sah. Das sah wohl sehr komisch aus, die Möwen rings um ihn konnten sich das Lachen nicht verkneifen.

„Sowas soll lecker sein? Egal. Was soll´s?“ Er nahm all seinen Mut zusammen und zuppelte den Wurm in seinen Schnabel. Einmal kräftig schlucken, weg war er. „Och, gar nicht mal so schlecht.“ Valentin war angenehm überrascht und machte einen kleinen Rotkehlchenfreudenhüpfer. „Habt ihr noch einen?“

 

Das ließen sich die Möwen nicht zweimal sagen. Eifrig scharrten sie im Wattensand und gruben und pickten und zerrten und zogen und reichten an Valentin weiter, was ihnen vor den Schnabel kam. Nach fünf oder sechs fetten Wattwürmern gab ihm Seetje, die Nichte eine Krebsschere und gleich danach bekam er von Imke, der anderen Nichte eine fluffige Miesmuschel, ohne Schale. Valentin pickte und schluckte, bis er nicht mehr konnte.

Mit einem kräftigen Rülpser „Bööööääähhhhhhhh“ winkte er schließlich ab und hielt sich verschämt einen Flügel vor den Schnabel. „Ich bin vielleicht satt. Mehr geht nicht, sonst....“ Was er mit sonst meinte, konnten sich die Möwen denken. „Schön gerülpst, Tino,“ freute sich Antonius, „jetzt sind wir quitt.“